Zeckenalarm – Wissenswertes von Ihrem Kinderarzt (14.05.2018)

Die Zecke, auch Holzbock (lat.: Ixodes ricinus) genannt, stellt ab Beginn der warmen Jahreszeit im Frühjahr eine Plage für Erwachsene wie Kinder dar. Ein Zeckenstich löst beim Betroffenen oder seinen Eltern meist die Angst vor der Übertragung einer schwerwiegenden Erkrankung aus. Dabei zeigt sich bei der Beratung der Patienten oft, dass Informationsdefizite über die Gefahr bestehen, die von einem Zeckenbiss ausgeht. Grundsätzlich muss man zwei potentiell in unseren Breiten durch die Zecke übertragbare Erkrankungen unterscheiden:

  • Borreliose:

    Zum einen können Bakterien, die Borrelien, durch Zecken übertragen werden. Diese Infektion ist im Münchner Raum von größerer Bedeutung. Bei einer Erkrankung, ausgelöst durch diese Bakterien, kann es zu einem teils chronischen Krankheitsverlauf kommen, der in etwa der Hälfe der Fälle mit einem charakteristischen Hautausschlag, der Wanderröte (lat.: Erythema migrans) 1-3 Wochen nach dem Zeckenbiss beginnt. Im weiteren Verlauf kann es zu Nervenlähmungen, Gelenksentzündungen oder anderen Symptomen kommen. Es trägt aber nur ein Teil der Zecken (ca. 30%) diese Bakterien. Des weiteren wird nicht bei jedem Biss durch eine infizierte Zecke der Keim übertragen. Sollten doch Borrelien übertragen werden, kommt es wiederum nur in einem Teil der Fälle zu einer Erkrankung. Ein Teil der Erkrankungen verläuft unbemerkt und heilt folgenlos aus. Der geringere Teil der Erkrankten wird diagnostiziert und muss mit einem Antibiotikum über längere Zeit behandelt werden.

  • Frühsommer-Meningoncephalitis (FSME):

    Zum anderen kann typischerweise in der jetzigen Jahreszeit durch den Zeckenbiss ein Virus übertragen werden, welches die sogenannte Frühsommer-Meningoencephalitis (FSME) auslösen kann. Zecken tragen diese Viren in manchen Gegenden, so dass es dort verhältnismäßig oft (ca. 1 von 1000 Zeckenstiche) zu der gefürchteten, aber insgesamt seltenen Erkrankung kommt. Diese FSME-Risikogebiete finden sich in Süddeutschland und generell in ganz Südost- und Osteuropa. Dabei spielt die Erkrankung im Gebiet um München keine große Rolle, wobei die davon östlich gelegenen Landkreise schon zu den Risikogebieten gehören. Hochrisikogebiete sind zum Beispiel die Auenlandschaften um Inn und Donau, Kärnten oder der Schwarzwald, um einige Beispiele zu nennen. Bei der Erkrankung kommt es zunächst zu grippeähnlichen Symptomen kurz nach der Infektion und dann bei einem Zehntel der Infizierten ca. eine Woche später zu hohem Fieber mit Kopfschmerzen, Übelkeit und Apathie. Die Erkrankung kann zum Tode führen oder mit einer Behinderung ausheilen. Eine wirksame Behandlung gibt es nicht.

Besonders in diesen Gegenden sollten deshalb schon die Kinder und nicht geimpfte Erwachsene durch eine Impfung vor der Erkrankung geschützt werden.

Ich hoffe, dass Ihnen diese Informationen helfen, das eigene Risiko einschätzen zu können.

Sollten Sie bei sich oder Ihrem Kind eine Zecke entdecken, so können Sie diese lebendig (!) vorne am Kopf, der in der Haut steckt, durch geeignete Instrumente (Pinzette, Zeckenschlaufe oder –karte) unter vorsichtigem Zug entfernen. Auf jeden Fall soll vermieden werden, den Inhalt des Körpers der Zecke in die Wunde zu drücken. Nicht schlimm ist ein Verbleiben der Beißwerkzeuge. Im Zweifel können sie auch Ihren (Kinder-)Arzt aufsuchen.

Mit herzlichen Grüßen

Ihr Dr. med. Andreas Kronwitter